Bushido und Polka-Paule.

Die Satire-Zeitschrift Der Postillon hat in der gewohnt ersthafte Nachrichten imitierenden Berichterstattung um die Verhaftung des ehemaligen Managers des deutschen Rappers Bushido (Details siehe eben hier:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bushido-und-arafat-abou-chaker-so-lief-die-festnahme-in-berlin-a-1248135.html) mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen und in großartiger Weise das unfassbar Groteske dieser ganzen Posse aufgezeigt:

„Endlich kann er frei sprechen! Nach der Festnahme von Clan-Chef Arafat Abou-Chaker erhebt Bushido schwere Vorwürfe gegen seinen einstigen „Geschäftspartner“: „Abou-Chaker hat mich jahrelang gezwungen, grauenhafte Musik zu machen“, so Bushido im exklusiven Interview mit dem Postillon.
Obwohl er die Musikrichtung Rap von Anfang an gehasst habe, musste Bushido zwei Jahrzehnte lang den bösen Gangster mimen: „Rap ist so roh und primitiv“, klagt er. „Man singt ja nicht mal richtig. Dabei habe ich so eine schöne Gesangsstimme. Einen tollen Bariton.“ Doch immer, wenn sich Bushido musikalisch in eine andere Richtung bewegen wollte, habe ihn Arafat Abou-Chaker nur noch mehr bedroht: „Er hat mir nicht nur sprichwörtlich die Pistole auf die Brust gesetzt“, erinnert sich der Rapper. „Ich musste immer weitermachen. Rappen, dissen, Beef haben, mit Waffen und halbnackten Frauen posieren, mit schweren Jungs rumhängen und schlimme Wörter benutzen. Dabei bin ich voll der Softie. Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun.

Die Folge: drei goldene Bravo-Ottos, zwei Siege beim Comet, fünf Echos, neun Hiphop.de-Awards, drei Goldene Pinguine, ein GQ Award, zwei MTV European Music Awards sowie ein Integrations-Bambi. „Dabei wollte ich eigentlich immer nur volkstümliche Musik machen und für echte Instrumente mit Herz komponieren. Für Flöten, Fiedeln, Akkordeon, Tuba, Gitarre“, seufzt er. „Leichte Musik, die atmet, schwingt, lebt!“ Bushidos einzige Ausflucht in den schweren Zeiten unter Abou-Chakers Knute blieben unzählige fröhliche Märsche, Polkas und Mazurken sowie drei Schlager-Alben, die er abends heimlich schrieb und jahrelang in einem Geheimfach seines Schreibtischs versteckte. Diese will er nun veröffentlichen – allerdings nicht mehr unter dem Namen Bushido, den ihm Abou-Chaker zugeteilt hat, sondern unter dem Künstlernamen, den er sich selbst schon immer gerne geben wollte: Polka-Paule.“

Als Metapher für das gesamte kriminelle Leben von Bushido alias Polka-Paule kann das gelten und stehen. Als ob nicht nur die Wahl eines Künstlernamens und eines Musikstils oder die Wahl, sein privates Leben öffentlich zu machen, sondern auch, als ob alle Taten, Vorwürfe und Verurteilungen in krimineller Richtung, alle menschenfeindlichen Texte, die auf dem Index der Jugendgefährdung stehen, alle frauenverachtenden Interviews und Einlassungen, die zum Beispiel ebenso gleichgeschlechtlich Liebende diffamieren und beleidigen, erzwungen gewesen wären! Nein, dieser Mann hat sich frei entschieden für sein Leben. Ob aus mangelnder Intelligenz, Bildung und Empathie (meine Vermutung) und/ oder aus Berechnung (Provokation bringt meist Verkaufszahlen), sei dahingestellt.

Folgendes gebe ich aber zu bedenken:

Einem intellektuell und seelisch minderbemittelten kriminellen Menschenverächter unter Show-Getöse einen Quoten-Integrations-Bambi zu verleihen und unter anderem politisch zu hofieren, ist die eine Seite. Dass damit lediglich in erschreckender Weise die Versäumnisse echter Jugend-, Bildungs- und Integrationspolitik entlarvt werden, hat tatsächlich wohl niemanden in Politik und Gesellschaft nachhaltig beunruhigt.

Andererseits hat ein solcher Mensch aber eine große Gemeinde an Fans, die Lieder mit derartigen Texten hören, kaufen, verbreiten und sich einen solchen Menschen wohl auch als Idol, als Vorbild setzen. Und ein Klein- oder auch Großkrimineller bekommt wegen solcher Nichtigkeiten (er habe sich jetzt unter den Schutz eines anderen Mafia-Clans gestellt – Entschuldigung bitte: who cares?, und selbst wenn, wo ist hier der Informations-Mehrwert, gleichzeitig, warum lässt der Staat aktiv und passiv rivalisierende Mafiabanden in namentlich Berlin zu?) Platz in nicht nur einem überregionalen Nachrichtenmagazin eingeräumt. Und spätestens das sind Tatsachen, die uns alle dagegen unbedingt und ernsthaft beunruhigen sollten.

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Der Originalartikel des Postillon findet sich hier: https://www.der-postillon.com/2019/01/bushido.html

Weitere Details siehe u.a. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Bushido_(Rapper)

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